Was ist passiert?
OpenAI hat einen Schnitt gemacht, der viele ChatGPT-Nutzer kalt erwischt: Auf persönlichen Konten können keine neuen Custom GPTs mehr erstellt oder veröffentlicht werden. Betroffen sind alle Nutzer der Tarife Free, Go, Plus und Pro. Wer in den letzten Monaten oder Jahren eigene GPTs gebaut hat – kleine spezialisierte Assistenten für bestimmte Aufgaben – steht jetzt vor der Frage, was mit der investierten Arbeit passiert. Bereits vorhandene GPTs bleiben zwar vorerst nutzbar und dürfen weiter bearbeitet werden, doch das Signal ist eindeutig: OpenAI verlagert diese Funktion in Richtung Business-, Enterprise- und Edu-Workspaces. Für Solopreneure, Content-Creator und Marketer im DACH-Raum, die ihre Workflows rund um Custom GPTs aufgebaut haben, ist jetzt der richtige Zeitpunkt, das eigene Wissen zu sichern.
Hintergrund: Was Custom GPTs waren – und warum sie so beliebt wurden
Custom GPTs wurden von OpenAI im Herbst 2023 eingeführt und galten als einer der zugänglichsten Wege, KI für eigene Zwecke zu konfigurieren – ganz ohne Programmierkenntnisse. Du konntest einem GPT spezifische Instructions geben, Knowledge-Dateien hochladen, Conversation Starters definieren und bestimmte Fähigkeiten aktivieren. Das Ergebnis war ein spezialisierter Assistent, der sich wie ein kleines Produkt verhielt: ein Schreibprofil-Analyzer, ein Kampagnen-Wizard, ein Life Coach – die Bandbreite war riesig.
Communities wie die AInauten haben über 40 solcher Helfer veröffentlicht und mit ihren Lesern geteilt. Viele Solopreneure hatten sich ganze Bibliotheken aufgebaut – teils ein Dutzend, teils mehrere Dutzend GPTs für unterschiedliche Workflows. Das Problem: All dieses Wissen – die Instructions, die hochgeladenen Dokumente, die durchdachten Prompts – steckte ausschließlich in der ChatGPT-Oberfläche. Wer keinen Export hatte, war vollständig von OpenAIs Plattform abhängig.
Die Details: Was genau sich ändert und wie du reagieren kannst
Laut OpenAI betrifft die Einschränkung ausschließlich persönliche Konten. Konkret bedeutet das:
- Keine Neuerstellung: Du kannst auf Free-, Go-, Plus- und Pro-Konten keine neuen Custom GPTs mehr anlegen oder veröffentlichen.
- Bestehende GPTs bleiben aktiv: Bereits erstellte GPTs funktionieren weiterhin und dürfen bearbeitet werden – zumindest vorerst.
- Business, Enterprise und Edu sind nicht betroffen: Wer einen dieser Workspace-Tarife nutzt, kann weiterhin neue GPTs erstellen.
Die AInauten-Community hat auf die Nachricht schnell reagiert und ein konkretes Werkzeug entwickelt: den GPT-to-Skill-Exporter. Dabei handelt es sich um eine Browser-Extension, die deine eigenen GPTs ausliest und die Konfigurationsdaten – Instructions, Conversation Starters, aktivierte Fähigkeiten – lokal bündelt. Die Idee dahinter: Dein Custom GPT besteht im Kern aus einem durchdachten Prompt, hochgeladenen Wissensdateien und ein paar Einstellungen. All das lässt sich als Skill exportieren und plattformunabhängig weiterverwenden.
Natürlich kannst du das auch manuell machen – den Editor jedes einzelnen GPTs öffnen, Instructions kopieren, Dateien herunterladen. Aber bei einem Dutzend oder mehr GPTs wird das schnell zur Geduldsprobe. Der Exporter automatisiert genau diesen Prozess.
Wichtig: Du musst jetzt nicht reflexartig ein Business-Abo kaufen. Wenn dein bestehender GPT seinen Job erledigt, gibt es keinen Grund, sofort umzuziehen oder allein deswegen einen teureren Tarif zu buchen. Aber du solltest die Logik und das Wissen, das du in deine GPTs gesteckt hast, unabhängig von der Plattform sichern.
Einordnung: Was das für Solopreneure und Marketer im DACH-Raum bedeutet
Dieser Schritt von OpenAI ist kein Zufall und kein Bug – er ist Teil einer klaren Strategie. OpenAI monetarisiert zunehmend über Business-Tarife und verschiebt Features, die bisher demokratisch verfügbar waren, in höherpreisige Segmente. Für Solopreneure und kleine Teams im DACH-Raum hat das mehrere Implikationen:
Erstens: Plattformabhängigkeit ist ein Risiko. Wer sein gesamtes KI-Wissen in einer proprietären Oberfläche speichert, macht sich verwundbar. Das gilt nicht nur für Custom GPTs, sondern grundsätzlich für jeden Workflow, der an ein einzelnes Tool gekettet ist. Die Lehre daraus: Prompts, Instructions und Wissensdateien gehören in dein eigenes System – ob das ein Notion-Board, ein lokaler Ordner oder ein Git-Repository ist.
Zweitens: Custom GPTs waren immer mehr Komfort als Technologie. Im Kern ist ein Custom GPT ein System-Prompt mit angehängtem Kontext. Diesen Prompt kannst du in jedem LLM verwenden – in Claude, Gemini, Llama oder einem lokalen Modell. Die wahre Arbeit steckt nicht in der ChatGPT-Hülle, sondern in deiner Expertise, die du in Instructions und Knowledge-Dateien gegossen hast.
Drittens: Der Zeitpunkt passt ins größere Bild. OpenAI ist nicht das einzige Unternehmen, das seine Plattformstrategie verschärft. Auch Google verändert mit AI Overviews und dem AI Mode die Spielregeln massiv – laut Similarweb ist der Anteil der AI Overviews bei Google-Suchanfragen von 13,3 Prozent auf 43,1 Prozent innerhalb eines Jahres gestiegen. Wer als Solopreneur oder Marketer im DACH-Raum arbeitet, muss sich darauf einstellen, dass sich Plattformen schneller verändern, als man seine Workflows anpassen kann. Die einzige Versicherung dagegen: eigene Datenhaltung und plattformunabhängiges Wissen.
Was kommt als nächstes?
Es wäre naiv zu glauben, dass bestehende Custom GPTs auf persönlichen Konten ewig weiterlaufen werden. OpenAI hat bisher keine Deadline kommuniziert, aber das Muster ist bekannt: Erst wird die Neuerstellung gestoppt, dann folgt irgendwann die Abschaltung – oder die Migration wird aktiv erzwungen. Wer jetzt handelt, hat den Vorteil der Zeit.
Konkret empfehle ich dir folgende Schritte:
- Bestandsaufnahme machen: Geh auf chatgpt.com/gpts/mine und verschaff dir einen Überblick über alle deine Custom GPTs.
- Export durchführen: Nutze den GPT-to-Skill-Exporter oder kopiere Instructions und Knowledge-Dateien manuell.
- Plattformunabhängig archivieren: Speichere alles lokal oder in deinem bevorzugten Wissenssystem.
- Skills testen: Probiere deine exportierten Prompts in anderen Modellen aus – du wirst überrascht sein, wie gut sie auch in Claude oder Gemini funktionieren.
Der Abschied von Custom GPTs auf persönlichen Konten ist ärgerlich, aber er ist auch eine Chance. Wer seine KI-Workflows jetzt entkoppelt, wird flexibler, unabhängiger und besser auf die nächste Plattform-Verschiebung vorbereitet sein. Und die kommt – so viel ist sicher.